Broker und die Nachschusspflicht

Sie suchen nach einem Broker ohne Nachschusspflicht? Doch was versteht man überhaupt darunter? Und welche Broker können ohne dieses „Feature“ auskommen? In diesem Beitrag gibt es alle wissenswerten Informationen zu diesem Thema!

    1. Broker ohne Nachschusspflicht: Wobei handelt es sich überhaupt?

Zwar ist es ein extremes Szenario – doch eines, das durchaus eintreten kann. Wenn sich der Markt allzu sehr gegen den Trader bewegt, besteht die Gefahr, dass dessen Eigenkapital bei einer gehebelten Position zu über 100 % aufgebraucht wird. Der Kontostand geht also in den roten Bereich und rutscht ins Minus. Kein Wunder also, dass so mancher Trader Nachschusspflichten fürchtet!

  • Diese entstehen bei einem negativen Kontosaldo.
  • Herrschen normale Marktbedingungen, werden die kritischen Position geschlossen.
  • Close Out Level können nicht gegen Marktturbulenzen und Kurslücken schützen.
  • Mithilfe von garantierten Stop Loss Ordern ist es möglich, sich gegen die Kurslücken abzusichern.
  • Zudem können Nachschusspflichten seitens des Brokers rechtsverbindlich ausgeschlossen werden.

Wenn man es aus technischer Sicht betrachtet, kommt es im Bereich des CFD und FX Handel eigentlich am laufenden Band zu Nachschusspflichten. Denn jeder Broker legt eine Initial Margin, die für ein Eröffnen der Position notwendig ist, sowie eine Maintenance Margin zwecks Aufrechterhalten der Position, fest.

  • Wenn sich diese Position ungünstig entwickelt und die Maintenance Margin unterhalb des festgelegten Wertes fällt, liegt eine Form dieser Nachschusspflicht vor.
  • Für diesen Fall behält sich der Broker das Recht für ein sofortiges Schließen der Position vor.
  • Dies ist dann angeraten, wenn der Kunde nicht umgehend mehr Mittel bereitstellen kann.

Dieser Schritt geschieht meist unspektakulär und lautlos und erfolgt durch ein automatisches Umbuchen des Kontoguthabens: Vom „frei verfügbaren Kapital“ hin zum Posten „Gebundene Margin“. Befindet sich noch ausreichend Guthaben auf dem Trader Konto, so wird dies vom Broker automatisch für das weitere Aufrechterhalten der Position mit verwendet. Dieses Guthaben kann also NICHT mehr für eine Auszahlung angefordert werden!

      1. Broker ohne Nachschusspflicht – und was ist bei einem negativen Saldo?

Es kann immer wieder sein, dass sich das Konto im Minus befindet. In diesem Fall wird die Sache mit der Nachschusspflicht problematischer: Wurde nämlich das komplette Eigenkapital, das sich auf dem Handelskonto befand, aufgezehrt, sind zudem sämtliche Positionen durch die unterschrittene Margin-Anforderungen geschlossen, so besitzt der Broker nun eine Forderung gegen den Trader.

  • Durch das Eröffnen eines Kontos bei einem CFD / FX Broker hat man nämlich einen Rahmenvertrag über einen Differenzausgleichskontrakt geschlossen.
  • Dieser besagt im Wesentlichen, dass zwischen dem Broker und dem Trader ein Vertrag über den Differenzausgleich zustande kommt, sobald eine entsprechende Order über die Handelsplattform erteilt wird.

Bei einer positiven Marktentwicklung hat man als Trader übrigens den gleichen Anspruch gegen den Broker. Doch geht es in die andere Richtung, also in Richtung Kursverlust, sieht die Sache anders, also umgekehrt, aus. Daran ändert sich auch nichts, weil das Handelskonto leer ist. Der Broker wird Sie in diesem Fall zum Nachschuss von mehr Kapital auffordern – eventuell auch gerichtlich.

    1. Broker ohne Nachschusspflicht: Wann kann es in der Praxis dazu kommen?

Wie aber kommt es überhaupt dazu, dass das Geld auf dem Handelskonto komplett weg ist und das sogar Verluste darüber hinaus entstehen? Ein solch extremer Verlauf ist nur bei einer sehr extremen Marktentwicklung zu erwarten.

  • In diesem Zusammenhang stellen Kurslücken, die sogenannten Gaps, das größte Risiko dar.
  • Anhand eines praktischen Beispiels wollen wir dies im Folgenden genauer erläutern.

Angenommen, auf dem Handelskonto befindet sich Kapital im Wert von 10.000 Euro. Nun wird vom Kontoinhaber eine Longposition in dem CFD im Umfang von insgesamt 100 Kontrakten zu je 10.000 Euro eröffnet. Das Gesamtvolumen beträgt somit 1 Mio. Euro. Mit einem Stop Loss wird die Order bei 9.950 DAX Punkten gegen eventuelle Kursverluste abgesichert.

Allerdings kommt es noch am gleichen Handelstag zu einem unerwarteten Ereignis, das als sehr negativ eingestuft wird. Der DAX fällt innerhalb weniger Minuten stark ab. Die Folge: Es dringt eine große Anzahl an Verkaufsaufträgen auf den Markt – doch sind hierfür keine Käufer vorhanden.

  • Dem Broker selbst gelingt es durch diese extreme Marktsituation erst nach einiger Zeit, diese Stop Loss Order auszuführen.
  • Geschieht dies zum nächstbesten Kurs von 9.750 DAX Punkten, so wird dem Trader ein Verlust von 25.000 Euro entstehen.
  • Doch hat er lediglich 10.000 Euro Kapital.
  • Nun wird der Broker einen Ausgleich des Negativsaldos von 15.000 Euro verlangen.
      1. Broker ohne Nachschusspflicht: Wie effektiv können Stop Loss und Closeout Level schützen?

Manch einer mag sich vielleicht noch daran erinnern: Anfang 2015 wurde von der Schweizer Notenbank für viele unerwartet die Franken-Bindung quasi über Nacht aufgehoben. Die Folge: Der CHF wurde stark aufgewertet – und etliche Broker mussten Insolvenz anmelden.

Dieses Beispiel zeigt, dass Stop Loss Orders bei extremen Marktbedingungen keinen vollständigen Schutz bieten können. Denn ihre Ausführung ist auch immer von dem Markt abhängig. Das Gleiche gilt für die Close Out Levels: Hierbei werden Margin Szenarien vom Broker definiert, bei deren Eintreten automatisch diverse Positionen glattgestellt werden. Der Grund: Ein negativer Kontostand soll in jedem Fall vermieden werden.

    1. Warum überhaupt eine Broker Nachschusspflicht?

Manch einer mag sich an dieser Stelle fragen, warum man als Broker überhaupt auf eine Nachschusspflicht setzt. Für viele Anbieter stellt dies eine logische Schlussfolgerung bei der Kalkulation der Differenzausgleichskontrakte dar. Während ein Kunde, der als Trader mit einer Longposition reichlich Geld verliert, wird ein anderer Kunde beim gleichen Broker mit der gegenläufigen Position Gewinne im gleichen Umfang machen.

Letzterem Kunden muss ein Differenzausgleich durch den Broker gezahlt werden. Wer als Broker also auf eine Nachschusspflicht verzichtet, müsste diesen Gewinn aus anderen Quellen finanzieren. Wie etwa über weitere Spreads oder zusätzliche Gebühren.

    1. Broker ohne Nachschusspflicht: Was ist die Konsequenz des Verzichts hierauf?

Trotzdem setzen einige Broker auf ein Verzicht der Nachschusspflicht. Allerdings sind diese Anbieter nicht so leicht zu finden – lesen Sie sich daher vorab unbedingt die Details im Kleingedruckten der AGB durch!

  • Aussagen wie „Durch technische Vorrichtungen („close out“) sind negative Kontosalden ausgeschlossen.“ sind hingegen wenig belastbar.
  • Vielmehr handelt es sich um eine Information von zweifelhaftem Wert.
  • Denn jeder Broker nutzt im Margin Handel solche Systeme.
  • Und diese schützen, wie wir oben aufgezeigt haben, nicht vor Nachschusspflichten, die durch Gaps und weitere extreme Marktereignisse zustande kommen.

Wer als Broker auf einen verbindlichen Verzicht dieser Pflicht setzt, setzt meist auf höhere Margin Anforderungen und eine geringere Hebelwirkung.Denn die Nachschusspflichten werden meist durch sehr große Finanzhebel im Bereich 100:1 (oder gar mehr) bedingt. Bei Konten, die ohne diese Pflicht auskommen, liegt der maximale Finanzhebel meist bei 50:1.

    1. Wer sind die Broker ohne Nachschusspflicht?

       

Theorie schön und gut – doch welche Broker kommen nun ohne diese Nachschusspflicht aus? Der Anbieter FXCM aus Großbritannien hat im März letzten Jahres verkündet, den Kunden, die einen negativen Kontostand aufweisen, die ersten 50.000 Euro zu erlassen. Alles, was darüber hinaus geht, wird jedoch angefordert.

Auch die comdirect bietet ein Modell mit verbindlichem Ausschluss der Nachschusspflicht an – dies allerdings bei einer 20 % erhöhten Margin Anforderung. Ein weiterer Broker, der auf eine solche Pflicht verzichten, ist der britische Broker CityIndex (Konten mit obligatorischer Platzierung garantierter SL Orders). Allerdings müssen hierfür mehr Gebühren gezahlt werden.

Die comdirect bietet CFD-Handel über verschiedene Kontomodelle an, darunter eines mit verbindlichem Ausschluss der Nachschusspflicht bei auf 20% erhöhten Marginanforderungen. Auch die Consorsbank verzichtet mittlerweile auf Nachschusspflichten, der britische Broker CityIndex bietet Konten mit obligatorischer Platzierung von garantierten SL-Orders an, die z. B. auch IG Markets für einen Teil des Basiswertekatalogs ermöglicht – ebenso wie bei CityIndex gegen zusätzliche Gebühren.

  • Auch der Broker Admiral Markets kommt ohne Nachschusspflicht aus.
  • Das Gleiche gilt für den Anbieter ActivTrades.
  • Sowie für den Broker OANDA.
  • Und nicht zuletzt weiß auch der Anbieter ayondo markets in diesem Zusammenhang zu überzeugen.

 

    1. Wie den besten Broker ohne Nachschusspflicht finden?

 

Doch Achtung: All diese Broker stellen verschiedene Anforderungen an den Kunden. Daher gilt es immer, auf das Gesamtpaket an Leistungen und Konditionen zu achten. Denn nur so findet man den Broker, der wirklich am besten zu den persönlichen Wünschen und Anforderungen passt.

 

Am besten ist dies über einen umfassenden und gründlichen Vergleich möglich. Nehmen Sie sich hierfür wirklich Zeit und setzen Sie sich in aller Ruhe hin, um die entsprechenden Angebote genau unter die Lupe zu nehmen! Auch das Kleingedruckte ist hierbei sehr wichtig, verbergen sich hier doch nicht selten ganz wesentliche Bestimmungen.

 

  • Darüber hinaus können auch die Tests unabhängiger Portale einen guten Anhaltspunkt bei der Suche bieten.
  • Das Gleiche gilt für die Erfahrungsberichte anderer User, die online zu finden sind.

 

Auf diese Weise erhalten Sie ein umfassendes Gesamtbild, das objektiv und gründlich ausfällt. Und Ihnen die Entscheidung für einen bestimmten Broker ohne Nachschusspflicht um einiges erleichtert. Dabei hilft es jedoch, sich vorab über die eigenen Wünsche und Prioritäten im Klaren zu werden. Denn so manch einer legt Wert auf ein besonders großes Handelsangebot, während sich der andere einen möglichst guten Kundenservice wünscht. Da gilt es, genau hin zu schauen! Und den Verzicht auf die Nachschusspflicht eben nur als ein Kriterium unter anderen zu betrachten. Gelingt dies, stehen die Chancen gut, den perfekten Broker für sich zu finden – und erfolgreich in den CFD Handel mit einzusteigen!